5. Tagung

Azubi- und Schülermarketing

07.03.2017 bis 08.03.2017
| Berlin

Interviews

  • Was ist Ihr Eindruck? Gibt es bei Schülern eine große Unsicherheit im Hinblick auf die Berufswahl?

    Auch wenn man nicht pauschalisieren sollte: ich denke schon. So kann man feststellen, dass das Überangebot an Studien-, Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten viele jugendliche Berufsanfänger auch überfordert. Auf der einen Seite ermöglichen die Vielzahl an Optionen auch Chancen und machen neugierig. Aber gleichzeitig entsteht Druck und man fühlt sich überfordert, aus den vielen möglichen Wegen, den einen richtigen für sich, aber auch für das soziale Umfeld zu finden. Damit einher gehen dann auch Fragen danach, was man eigentlich selbst möchte, welcher Beruf zu einem passen könnte. Viele jugendliche Berufsanfänger empfinden den Schritt von der Schule zum Beruf beziehungsweise zum Studium u.s.w. als gravierenden Einschnitt, der mehr Fragen als Antworten aufwirft.

  • Welche Fehler gilt es bei der Ansprache von Schülern zu vermeiden?

    Vor allem sollte man vermeiden, weitere Verunsicherung zu stiften. Etwa durch widersprüchliche Informationen oder dadurch, dass man falsche Erwartungen und Hoffnungen weckt. Auch wenn jugendliche Berufsanfänger Orientierung brauchen, sollte man nicht nur auf abstrakte "hard-facts" eines Arbeitgebers setzen - etwa  in Form von Hochglanzbroschüren - sondern konkrete Informationen und Berufsbeschreibungen an die Hand geben. Idealerweise anhand von "echten" Situationen, Personen und Bildern. Ebenso wichtig sind also auch die "soft-facts" oder realistische Einblicke in die Unternehmenskultur. Anders formuliert: man muss auf Augenhöhe kommunizieren und Schüler nicht nur als Bewerber, sondern als potenzielle Kandidaten sehen. 

  • Sie werden unter anderem von Ihrer Aktion „Meine Nachricht an mich“ berichten, ein ungewöhnlicher Beitrag zu Berufsorientierung. Wie wichtig sind neue Konzepte, um junge Talente auf sich aufmerksam zu machen?

    Die Aktion "Meine Nachricht an mich" verdeutlicht in meinen Augen ganz gut, wie wir und dem Thema "Berufsorientierung" angenommen haben. Das Ganze ist freilich nicht isoliert zu sehen, sondern erweitert das Angebot im Verbund mit anderen Orientierungsangeboten. Ich denke schon, dass es wichtig ist, auch mit neuen Konzepten auf sich aufmerksam zu machen. Gerade, wenn man als potenzieller Arbeitgeber in der Zielgruppe noch nicht so bekannt ist. Aber eben nicht nur, um einfach aufzufallen, sondern mit echtem Mehrwert und klarem Signal.

Azubi- und Schülermarketing - Interview

  • Sie werden auf der Tagung ein erfolgreiches Modell für die Kooperation zwischen Schulen und Unternehmen vorstellen. Was ist Ihr Eindruck aus der Zusammenarbeit, haben Schüler ein realistisches Bild von der heutigen Arbeitswelt?

    Das Bild wird vor allem dadurch geprägt, welche Informationen die Schüler durch die Medien, durch Lehrkräfte oder in ihrem persönlichen Umfeld (Eltern und Freunde) erhalten. Viele Berufe sind häufig gar nicht bekannt, weil sie im unmittelbaren Umfeld nicht vorkommen;  oder mit falschen Vorstellungen belegt. Als Unternehmen können wir sehr viel dafür tun, dass Schüler eine bessere Vorstellung bekommen – indem wir zum Beispiel unsere Azubi erzählen lassen, wie es in ihrem Alltag aussieht.

  • Wie hoch ist der Bedarf an Unterstützung bei der Berufsorientierung?

    Wir erleben bei den Schülern einen enormen Orientierungsbedarf. Dabei ist Unterstützung während des gesamten Prozesses der Berufsorientierung und Berufswahl wichtig – sei es bei der Identifizierung der eigenen Stärken, bei der Recherche nach passenden Ausbildungsmöglichkeiten und bei Fragen rund um die Themen Bewerbung und Auswahlverfahren. Deshalb helfen wir Schülern unserer Kooperationsschulen beispielsweise durch gezielte Bewerbertrainings.

  • Was sind die Erfolgsfaktoren für eine solche Kooperation zwischen Schulen und Unternehmen?

    Besonders wichtig ist eine langfristig angelegte und kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Schule und Unternehmen. DB-Mitarbeiter, unsere „Schulpaten“, engagieren sich als verlässliche Ansprechpartner an ihren Kooperationsschulen. Auf der anderen Seite ist jedoch auch das Engagement auf Schulseite und die Bereitschaft, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, erfolgskritisch – es muss eine Partnerschaft auf Augenhöhe sein.

Azubi- und Schülermarketing - Interview